Emotionale Sicherheit

Ja, das wünscht man sich manchmal – dass die emotionale Sicherheit wie ein deus ex machina von oben kommt …

Aber nein, stattdessen muss man sie selbst herstellen.
Schließlich ist man ja derjenige, der oben steht und damit verantwortlich dafür ist, dass der Partner, der unten liegt oder sitzt oder hängt oder was auch immer, meistens auch noch gefesselt, sich so richtig rundum wohlig und warm und glücklich fühlt.

Zumindest diese Funktion eines Deus dürfen wir Tops gerne übernehmen.
Mit der grenzenlosen Allmacht ist es dann schon weniger weit her; schließlich agieren wir ja rein konsensual.

Also, was denn nun – wenn ich die absolute Verantwortung für etwas trage, wo bleibt dann die korrespondierende absolute Macht?
Oder, anders herum, wenn wir die Regeln des Spiels einvernehmlich festlegen, weshalb, zum Teufel, sollte dann ich allein das emotionale Netz spinnen? Ich bin doch keine Schwarze Witwe. Oder wenn ich es wäre, wäre es dem anderen sicherlich auch wieder nicht recht.

Gefühlsmäßige Sicherheit, dazu gehört Vertrauen. Soll ich ohne Vertrauen eine Session überstehen?
Eigentlich habe ich mindestens ebenso viel zu fürchten wie mein Partner, der sich von mir auspeitschen lässt.
Statt des ausgeflippten Top, der sich in Irrsinn hineinprügelt oder des gefühllosen Supertops, der sich einen feuchten Kehricht um die Stimmung des anderen schert, kann mir der unentschlossene Sub begegnen, der sich über Nacht entsetzt seine roten Striemchen besieht und beschließt, dass er das so nun doch nicht gewollt hat. (Obwohl er derjenige war, der auf der Reitgerte bestanden hat statt der Streichelpeitsche.) Und am nächsten Tag flugs zum Staatsanwalt läuft.
Oder der wisecrack und smart-aleck, der mir nachher haarklein erklärt, was ich alles falsch gemacht habe, und wie ich es besser machen kann. Und damit mein nach einer intensiven Session ohnehin schwankendes Selbstbewusstsein völlig zerschießt.
Oder der Sub, der von unten toppt, und mich so mit guten Ratschlägen und Anregungen eindeckt, dass ich ihn entweder am Andreaskreuz verhungern lasse oder alles als seine Marionette und sein Dienstleister zu Ende bringe.

Lesen!
Männer gefesselt

Denkt vielleicht einmal jemand an meine Unsicherheit? Wie soll ich jemandem Sicherheit geben, ohne selbst welche zu bekommen? Ich kann so unendlich viel falsch machen während einer Session. Ich nähere mich meinen eigenen Grenzen ebenso wie denen des Partners.
Und ich habe nach Jahren noch immer mit dem Satz zu kämpfen: Du kannst doch nicht jemanden schlagen, zu dem du Zuneigung empfindest!

Vertrauen kann nur im Wechselspiel funktionieren; ebenso wie SM überhaupt ein Wechselspiel der Lust ist.
Emotionale Sicherheit kommt nicht von oben. Sie kommt aus der Beziehung der beiden, die miteinander in die Welt der Sinnlichen Magie eintauchen.